Die heutige Unternehmens- und Führungskultur in vielen deutschen Wirtschaftsunternehmen ist stark von linearem, konvergentem Denken geprägt. Diese Entwicklung hat historische Wurzeln und ist tief in der industriellen Revolution verankert, die den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands entscheidend prägte. Damals lag der Fokus auf Effizienz, Produktivitätssteigerung und klar strukturierten Prozessen, die es ermöglichten, komplexe Produktionsabläufe zu standardisieren und zu skalieren. Es entstand eine Kultur, die auf Hierarchien, Regeln und Kontrolle beruhte – notwendig, um den wachsenden Anforderungen der Industrie gerecht zu werden.
Die deutsche Unternehmensführung war lange Zeit von einer starken Ingenieurs- und Facharbeiterkultur geprägt, die den Begriff „Perfektion“ fast zum Unternehmensmotto erhob. Präzision, Qualität und Optimierung standen im Vordergrund. Die „deutsche Gründlichkeit“ und das Streben nach Effizienz führten zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere in Bereichen wie Maschinenbau, Automobilindustrie und Chemie. Gleichzeitig führte dieses lineare Denken zur Entwicklung starrer Hierarchien und bürokratischer Strukturen, die in deutschen Unternehmen traditionell sehr ausgeprägt sind. Entscheidungen wurden meist zentralisiert getroffen, der Weg nach oben führte über den klassischen Aufstieg innerhalb des Unternehmens. Innovation und Kreativität waren untergeordneten Teams oft weniger zugänglich, da sie als Risiko und potenzielle Bedrohung für bewährte Prozesse gesehen wurden.
Diese Führungskultur brachte wirtschaftlichen Erfolg, vor allem in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Wiederaufbau und die Hochindustrialisierung Deutschlands eine klare, strukturierte und regelgeleitete Herangehensweise erforderten. Sie hat aber auch eine Kultur des „Verwaltens“ gefördert, bei der Veränderung und Innovation oft als „unbequeme“ Elemente betrachtet wurden, die nur dann in Betracht gezogen werden, wenn es keine Alternative mehr gibt.
In der heutigen dynamischen und globalisierten Welt stößt diese traditionell lineare Führungskultur zunehmend an ihre Grenzen. Unternehmen stehen vor Herausforderungen, die durch technologische Disruption, Globalisierung, Klimawandel und sich rapide ändernde Kundenbedürfnisse getrieben werden. Langwierige Entscheidungsprozesse, starre Hierarchien und eine Kultur der Risikoaversion erschweren es deutschen Unternehmen, agil auf diese Herausforderungen zu reagieren und neue, disruptive Innovationen zu entwickeln.
Ein zentrales Problem ist, dass sich diese lineare Führungskultur oft auf kurzfristige Effizienz und Kontinuität fokussiert, während längerfristige, radikale Innovationen vernachlässigt werden. Führungskräfte konzentrieren sich darauf, Prozesse zu optimieren, anstatt neue Wege zu suchen, die bestehende Geschäftsmodelle in Frage stellen könnten. Dies führt zu einer mangelnden Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft in einer Zeit, in der Flexibilität und die Fähigkeit, sich schnell auf neue Umstände einzustellen, entscheidende Erfolgsfaktoren sind.
Eine zukunftsfähige Führungskultur muss von Grund auf anders konzipiert werden und insbesondere divergentes Denken fördern. Hier sind einige zentrale Elemente, die eine solche Kultur auszeichnen:
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